Corps-History ... 






Akademisches Corps Hansea zu Wien, Antonigasse 91, A-1170 Wien

Die Corps haben eine stolze Geschichte

Die Corps blicken auf eine über 200-jährige Tradition zurück. Sie entstanden an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert und vereinigten damals mehrere historische Überlieferungsstränge.

Als Vorläufer der Corps gelten zum einen landsmannschaftliche Zusammenschlüsse von Studenten, die bereits an den Universitäten des Mittelalters und der frühen Neuzeit bestanden. Zum anderen werden die im Geiste der Aufklärung und des Freimaurertums entstandenen Orden zu den Vorläufern der Corps gezählt. Zahlreiche Formalien des heutigen Corpslebens stammen aus dieser Zeit.

Ausformung im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert änderte sich das Bild der Studenten: Aus dem hungerleidenden Vaganten des Mittelalters, dem Rauf- und Saufbold des 30-jährigen Krieges und dem galanten étudiant des höfischen Rokoko wurde der humanistisch-philosophisch vorgebildete Akademiker, der das Zeitgeschehen wach verfolgte.

Herausbildung der Grundsätze
In dieser Zeit entstanden die Grundsätze, die auch heute die Einstellung der rund 160 Corps in Österreich und Deutschland prägen: Freundschaft auf Lebenszeit, Toleranz gegenüber Andersdenkenden, selbstloser Einsatz für die Gemeinschaft und demokratische Gepflogenheiten. Berühmte Staatsmänner, Wissenschafter und Unternehmer sind aus den Corps hervorgegangen.

Das studentische Fechtwesen
Seit Gründung der ersten Universitäten im Mittelalter war selbstverständlich, dass der Student das Recht hatte, Waffen zu tragen (in Wien dann 1514 von Kaiser Maximilian verbrieft) und auch wusste, davon Gebrauch zu machen. Der Besuch des Fechtbodens war ebenso Bestandteil der studentischen Ausbildung wie der Vorlesungsbesuch. Die Entwicklung des studentischen Fechtens führte vom 12. bis zum 19. Jahrhundert vom Stoß- zum Hiebfechten und vom ungeregelten Duell zur regulierten Bestimmungsmensur. Ihre heutige Form nahm die Mensur zwischen 1840 und 1860 an: die feste Stellung der Fechtenden ("Paukanten"), der Fechtabstand auf Armeslänge, die Schutz-Bandagen, der Kopf als ausschließliche Trefferfläche, die Fechtwaffe ("Schläger") und die Fechttechnik. Bei der Bestimmungsmensur werden die beiden Paukanten von den dazu Beauftragten verschiedener Corps unter Wahrung möglichst gleicher Ausgangsvoraussetzungen "bestimmt".

Anders als bei den sportlichen Fechtarten geht es bei der Mensur nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die Bewährung vor sich selbst und vor dem Urteil der Corpsbrüder. Trotz aller Schutzmaßnahmen vor unliebsamen und ungewollten Verletzungen gehören Überwindung und Mut dazu, sich auf Armeslänge dem ausgewählten Kontrahenten mit der blanken Waffe gegenüberzustellen und in gebotener Fairness nach vorgegebenen Regeln mit Parade und Angriff die vorgeschriebene Zahl von "Gängen" (Hiebfolgen) durchzustehen.